Suchtformen » Verhaltensbezogene Abhängigkeiten

ID #1024

Essstörungen

Definition
Auch die Essstörungen werden als eine Abhängigkeit bezeichnet. Dabei handelt es sich ebenso um eine verhaltensbezogene Sucht. In dem Leben von betroffenen Menschen, die unter einer Essstörung leiden, dreht sich alles um Kalorien, Nährwerte, Figur und Körpergewicht. Es liegt eine Essstörung vor, wenn ein Mensch viel isst oder das Essen verweigert, um ein psychisches Bedürfnis zu befriedigen. Die Betroffenen Menschen können nicht mehr bewusst Essen und die physikalischen Signale des Körpers, wie zum Beispiel Hunger oder Sättigung können nicht mehr wahrgenommen werden.

Ein gesunder Mensch greift zum Essen, wenn er hungrig ist und hört auf zu Essen, wenn der Körper eine Sättigung bemerkt. Bei einem Menschen, der unter einer Essstörung leidet, ist dies nicht der Fall.

Die Essstörungen werden unterschieden in 4 verschiedene Erkrankungen:

  • Magersucht ( Anorexia nervosa )
  • Ess- Brech- Sucht ( Bulimia nervosa )
  • Ess- Sucht ( Binge Eating – Störung )
  • Latente Ess- Sucht


Eine Sache haben die Menschen mit den Essstörungen dennoch gemeinsam: die lebensnotwendige Nahrungsaufnahme ist ein bedeutendes Problem mit psychischen, körperlichen und auch oft sozialen Konsequenzen geworden. Am meisten sind Mädchen und junge Frauen von der Krankheit betroffen. Aber auch die Anzahl der erkrankten jungen Männer ist deutlich gestiegen. Wird aufgrund einer anderen Erkrankung an Gewicht verloren, zum Beispiel Krebs, AIDS usw. wird die Gewichtsabnahme nicht als essgestört bezeichnet.

Magersucht
Bei einer Magersucht handelt es sich um  eine Krankheit, wobei das Körpergewicht mindestens 15 % unter dem normalen BMI- Wert liegt. Das Körpergewicht wurde durch eigenes Verschulden so drastisch minimiert, beispielsweise in dem der Betroffene:

  • Nahrungsaufnahme einschränkte
  • Sehr kalorienreiche Speisen vermied
  • Sich übertrieben körperlich betätigt
  • Selbst das Erbrechen nach der Nahrungsaufnahme herbeiführte
  • Selbst ein Abführmittel einnahm
  • Gebrauch von Entwässerungsmitteln und / oder Appetitzüglern machte


Der Hauptgrund warum sich die Essstörung entwickelt hat ist, dass die Betroffenen Angst haben zu dick zu sein oder zu werden. Um dies zu umgehen, halten sie strengste Diäten ein und versuchen mit allen Mitteln Kalorien zu meiden oder zu verbrennen. Jeder Bissen wird streng kontrolliert oder es wird nach der Nahrungsaufnahme lange sportliche Aktivitäten vollzogen. Das typische einer Magersucht ist, dass extreme Gewichtsabnahmen erfolgen. Die Körperwahrnehmung bezüglich Größe, Gewicht und Figur ist gestört. Die Angstzustände vor einer Gewichtszunahme und dem „Dickwerden“ sind auch noch vorhanden, wenn der Betroffene bereits untergewichtig ist und nur noch aus Haut und Knochen besteht. Die Magersüchtige Person hat einfach keinen Bezug mehr zu seinem Körper und sieht sich im Spiegel mit ganz anderen Augen. Die Gewichtsschwelle, die der Betroffene festlegt ist sehr niedrig.  Jeder Gedanke dreht sich nur um das Körpergewicht und das Abnehmen. Sobald der Betroffene kein Essen verzehrt, wird das Gefühl der Reinheit, Macht, Autonomie und der Einzigartigkeit erreicht. In dieser Situation fühlt er sich blendend.

Folgende Anzeichen lassen auf eine Magersucht hindeuten:

  • Der Betroffene muss andauernd auf die Waage um sein Gewicht zu kontrollieren
  • Es besteht kein Gefühl für den Körper und seine Bedürfnisse
  • Der Betroffene täuscht vor anderen Leuten das Essen vor, beispielsweise indem er das Essen kaut und dann wieder ausspuckt
  • Es werden kalorienarme Getränke und Lebensmittel bevorzugt
  • Für den Betroffenen sind bestimmte Essrituale sehr wichtig
  • Baby- und Kindernahrung bzw. breiige Kost werden bevorzugt
  • Es wird sehr langsam und extrem heiß oder kalt gegessen
  • Einseitige Lebensmittelwahl
  • Die Betroffenen fühlen sich immer zu dick, selbst, wenn sie an Gewicht abgenommen haben
  • Es wird für andere gekocht, gebacken, Kochsendungen angesehen, Rezepte gesammelt und andere Menschen zum Essen animiert
  • Es wird exzessiv Sport getrieben oder sogar eine äußerst schwere Tasche bzw. Rucksack getragen um mehr Kalorien zu verbrennen
  • Der Betroffene leidet unter einer übertriebenen Sparsamkeit und extremer Reinlichkeit
  • Es wird viel im Stehen gemacht
  • Der Körper wird als Feind angesehen, der bekämpft werden muss
  • Es wird sich Kälte ausgesetzt um mehr Kalorien zu verbrauchen ( durch das Zittern des Körpers )
  • Der Betroffene hat eine ausgesprochene anspruchslose Lebensweise. Zudem gibt es keine Entspannung oder Beschäftigungen, die Freude bereiten
  • Es bestehen depressive Verstimmungen
  • Der Betroffene entzieht sich seiner Familie, seinen Freunden, seinen Hobbys usw.
  • Der Betroffene kann sich nicht eingestehen, dass er krank ist


Ess- Brech- Sucht
Eine Ess-Brech-Sucht oder auch Bulimie genannt, ist charakterisiert durch immer wiederkehrenden unkontrollierten Essanfällen und durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, selbst herbei geführtes abführen oder exzessiven Sportaktivitäten. Die Betroffenen können diese Essanfälle nicht kontrollieren. Meistens wird heimlich und in einer sehr kurzen Zeit eine Menge an Nahrungsmittel, wie zum Beispiel Nuss- Nougat- Creme, Eis usw. heruntergeschlungen. In der Regel sind es sehr kalorienreiche Nahrungsmittel. Nach kurzer Zeit tritt ein extrem schlechtes Gewissen auf. Die Betroffenen haben Angst vor Übergewicht und versuchen die aufgenommenen Kalorien gleich und so schnell wie möglich durch Erbrechen, Abführmittel, Entwässerungsmitteln oder übermäßigen Sport wieder loszuwerden. Die typischen Merkmale einer Bulimie ist die dauerhafte und übertriebene Beschäftigung mit dem Gewicht und der Figur. Meistens bekommt das Umfeld die Erkrankung gar nicht mit, da das äußere Erscheinungsbild unauffällig ist. Das Essverhalten ist in der Öffentlichkeit kontrolliert. Hat der Betroffene mindestens 3 Monate wenigstens 2 Essanfälle pro Woche, so wird dies als eine Ess- Brech- Sucht diagnostiziert.

Folgende Anzeichen lassen sich bei einer Ess- Brech- Sucht feststellen:

  • Bekommt der Betroffene einen Essanfall, so wird das Essen nur so herunter geschlungen
  • Für einen Essanfall werden große Mengen an billigen und leicht essbaren und zubereiteten Lebensmitteln gekauft und zu Hause gehortet
  • In der Öffentlichkeit ist das Essverhalten kontrolliert
  • Der Betroffene hat keine geregelten Mahlzeiten
  • Für die Außenwelt wählt der Betroffene für seine „offizielle“ Mahlzeit nur fettarme und Light- Produkte aus
  • Durch den Kauf der vielen Lebensmitteln gerät der Betroffene schnell in eine Schuldenfalle
  • Der Betroffene hat ein Ekel vor sich selbst und das Gefühl, nicht normal zu sein
  • Ein Essanfall passiert ohne, dass eine andere Person davon etwas mitbekommt
  • Nach einem Essanfall entwickelt der Betroffene Schuld- und Schamgefühle
  • Der Betroffene vernachlässigt seine Familie, Freunde und Hobbys, er zieht sich in seine eigene Welt zurück
  • Der Betroffene leidet unter depressiver Verstimmung
  • Der Betroffene zeigt Interesse für viele sportliche Aktivitäten und führt diese auch aus

 

Ess-Sucht
Bei einer Ess-Sucht-Erkrankung kommt es ebenso zu unkontrollierten Essanfällen. Jedoch anders als bei der Bulimie, versuchen die Betroffenen nicht die Kalorien wieder loszuwerden. Daher nimmt der Betroffene nach der Zeit immer mehr an Gewicht zu und es resultiert daraus die Erkrankung Übergewicht, oder auch Adipositas genannt, und deren Folgeerkrankungen. Das typische äußere Merkmal ist deswegen das Übergewicht, welches durch ein regelmäßiges zu- viel- Essen oder durch Diätkuren, die wiederum auch zu Essanfälle führen, verursacht werden. Der Betroffene hat kein Hunger und Essen trotzdem maßlos. Das übermäßige Essen ist sozusagen ein Seelentröster für den Süchtigen.

Folgendes möchte der Betroffene mit seinem maßlosen Essen umgehen:

  • Trauer
  • Angstzustände
  • Einsamkeit
  • Überforderung
  • Wut
  • Intimität
  • Enttäuschungen
  • Ärger
  • Innere Leere
  • Nähe
  • Zurückweisungen
  • Selbstkritik
  • Rollenerwartungen


Menschen, die solch ein Verhalten an den Tag legen, sind hilflos und frustriert.

Latente Ess-Sucht
Menschen, die unter einer Latenten Ess-Sucht leiden, müssen sich andauernd mit ihrem Körpergewicht auseinander setzen. Da sich die Ess-Sucht und eine Diät halten immer wieder abwechseln, kommt es zu massiven Gewichtsschwankungen in kürzester Zeit. Dies ist für den Körper und die Gesundheit nun gar nicht gut. Außerdem kann eine latente Ess-Sucht schnell zu einer anderen Essstörung übergehen. Besteht zum Beispiel keine Selbstkontrolle mehr, so ist es wahrscheinlich, dass entweder eine Ess- Sucht oder, genau das Gegenteil, eine Bulimie entsteht. Auch kann sich aus der latenten Ess-Sucht eine Magersucht entwickeln, wenn die Selbstkontrolle eine positive Reaktion auf die Mitmenschen hinterlässt. In diesem Fall werden die Betroffenen noch viel rücksichtsloser mit sich selbst und verweigern das Essen.

Therapie
Leidet man unter einer Essstörung ist der erste Schritt zur Besserung, dass der Betroffene sich selbst eingesteht, dass er krank ist. Dieser erste Schritt ist zumeist auch der schwerste Schritt. Der Betroffene muss verstehen und einsehen, dass professionelle Hilfe nötig ist, um aus der Krankheit wieder heraus zu kommen. Suchen Sie eine Beratungsstelle auf, vielleicht nehmen Sie einen Angehörigen oder einen guten Freund bzw. Freundin mit, der Sie bei diesem Weg unterstützt. Der nächste Schritt ist eine stationäre Behandlung. Natürlich ist auch eine ambulante Therapie möglich, diese ist jedoch in den meisten Fällen aussichtslos und nicht zu schaffen. Bei einer Therapie wird darauf geachtet, dass folgende Punkte von den essgestörten Menschen beachtet werden:

  • Es soll regelmäßig gegessen werden
  • Dabei ist es wichtig, dass langsam und genussvoll gegessen wird. Das gute kauen ist ebenso von großer Bedeutung
  • Beim Essen sollte keine weitere Beschäftigung erfolgen. Auch kein fernsehen oder eine Zeitschrift lesen
  • Der Betroffene sollte sich genügend Zeit zum Essen nehmen und sich voll und ganz auf die Nahrungsaufnahme und dessen Genuss konzentrieren
  • Streitgespräche sind am Tisch zu vermeiden


Ebenso wird bei einer Therapie folgendes erarbeitet und erlernt:

  • Der Betroffene erlernt, wie er auf seine Körpersignale hört und wie entsprechend „geantwortet“ wird, zum Beispiel wenn eine Müdigkeit besteht, soll man schlafen gehen oder wenn man Durst hat soll man trinken
  • Entspannungstechniken zum Stressabbau erlernen
  • Der Betroffene muss seine Einstellung zum eigenen Aussehen, zur Figur und zum Gewicht ändern. Er wird lernen sich mit seinem eigenen Körper anzufreunden

Tags: Essstörungen

Verwandte Artikel:

Letzte Änderung des Artikels: 2011-02-25 16:47
Autor: admin
Revision: 1.1

Digg it! Share on Facebook Artikel ausdrucken Artikel weiterempfehlen Als PDF-Datei anzeigen
Übersetzungsvorschlag für Übersetzungsvorschlag für
Bewertung der Nützlichkeit dieses Artikels:

Durchschnittliche Bewertung: 5 (1 Abstimung)

vollkommen überflüssig 1 2 3 4 5 sehr wertvoll

Kommentieren nicht möglich

>