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Suchtformen » Verhaltensbezogene Abhängigkeiten
Arbeitssucht
Definition
Die Arbeitssucht ist ein zwanghaftes Verhalten, bei dem der Betroffene das Arbeiten als eine Fluchtmöglichkeit vor persönlichen Problemen benutzt wird. Eingestuft wird diese Suchtform in die Gruppe der Verhaltensbezogenen Abhängigkeit. Die Arbeitssucht ist viel mehr verbreitet als man sich vorstellt. Denn die Öffentlichkeit verdeckt dieses Problem mit anderen Nachrichten, sodass es einfacher ist die Sucht zu leugnen und in den Hintergrund zu schieben.
Wie bei den meisten Suchtformen auch, muss auch bei der Arbeitssucht die Dosis immer mehr erhöht werden. Das bedeutet, dass die Abstände zwischen dem Arbeiten immer geringer werden und sich Gedanken nur noch um das Arbeiten drehen. Ebenso handelt es sich auch hier um einen individuellen Konfliktlösungsversuch, wobei dem Arbeitssüchtigen die Konflikte meistens nicht bewusst sind. Es wird versucht negative Gefühle wie zum Beispiel:
- Kontaktängste
- Depressionen
- Gefühle der Minderwertigkeit
- Selbstverunsicherungen
- Nicht erfüllbare oder abgewehrte Geborgenheitswünsche
- Entwurzelungsgefühle
...zu bewältigen. Deswegen sagt man, dass eine Sucht, auch in diesem Fall die Arbeitssucht, eine Art Selbstheilungsversuch ist. Aber nicht nur das ständige und zu viele Arbeiten wird unter der Arbeitssucht verstanden, sondern auch das genaue Gegenteil. Wird aus Angst vor Misserfolgen oder sogar Perfektionismus die Arbeit verweigert, so spricht man ab und zu ebenso von einer Arbeitssucht.
Handelt es sich um ein frühes Stadium der Arbeitssucht, so ist es in der Regel sehr schwierig eine Sucht daraus zu erkennen, da die Symptome, sowohl von dem Arbeitssüchtigen selber als auch von seiner Umwelt, als ein gesteigertes Engagement eingeschätzt wird. Der Betroffene ist dabei voller Energie, macht einen sehr aktiven Eindruck, wirkt bewandert und scheint mit seinem Leben völlig begeistert zu sein. Wird jedoch in den Hintergrund des Betroffenen geschaut, so stellen wir ein sehr einseitiges Leben fest. Es wird lediglich gearbeitet und gearbeitet. Die zuvor wichtigen Aktivitäten bzw. Interessen werden vernachlässigt und hinterher überhaupt nicht mehr praktiziert.
Die beiden Muster einer Arbeitssucht
Aber nicht nur das ständige und zu viele Arbeiten wird unter der Arbeitssucht verstanden, sondern auch das genaue Gegenteil. Das Aufschieben oder das Vermeiden der Arbeit aus verschiedenen Gründen wird ebenso als Arbeitssucht bezeichnet. Der Betroffene verlernt durch das pausenlose Arbeiten Prioritäten in seinem Leben zu setzen. Der Grund für das pausenlose Arbeiten ist der Perfektionismus. Der Arbeitssüchtige stellt sehr hohe Ansprüche an sich selbst. Alles soll perfekt erledigt werden. Dies nimmt natürlich auch mehr Zeit in Anspruch. Der Betroffene verliert die Kontrolle über sein Arbeitsverhalten. Selbst Arbeiten, die normalerweise eine geringe Priorität aufweisen, werden als sehr wichtig angesehen. Das Gegenteil dieser gerade beschriebenen Situation ist, dass dem Betroffenen die Arbeit zu viel wird. Die vor sich her geschobenen Arbeiten häufen sich und somit steigt der Druck des Betroffenen erheblich. Ruhe und Entspannung scheint für den Betroffenen an dieser Stelle unermesslich zu sein. Auch kann die Vermeidung der Arbeit aus Angst vor Misserfolgen erfolgen.
Ursachen
Das überdurchschnittliche Arbeiten könnte ein Versuch von dem Betroffenen sein:
- Dem Leben einen Sinn zu geben
- Das geringe Selbstwertgefühl zu stärken
- Eine innere Leere zu bewältigen
- Versagensängste zu mildern
- Sich nicht mit Konflikten und Problemen in der Partnerschaft oder der Familie auseinander setzen zu müssen
- Eine Lebenskrise zu bewältigen, beispielsweise Trauer, Trennung, Kränkung, usw.
- Lob, Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen
Stadien einer Arbeitssucht
Eine Arbeitssucht wird in folgenden vier Stadien eingeteilt:
- Der Betroffene muss nach und nach immer mehr an seine Arbeit denken. Sogar seine Freizeit, Partner und auch Kinder werden vernachlässigt. Alle privaten Pflichten und Interessen kommen in der Planung des Betroffenen zu kurz.
- Kritische Phase: Der Arbeitssüchtige versucht langsam Ausreden für seinen ständigen Arbeitseinsatz zu finden. An erster Stelle steht bei dem Betroffenen die Arbeit, darauf folgt alles andere.
- Chronische Phase: Der Betroffene plant seinen Terminkalender nur noch nach seiner Arbeit. Er teilt sich immer mehr Aufgaben zu, sodass sein Privatleben keine Bedeutung mehr für ihn hat.
- Endphase: Der Betroffene leidet an krankhaften Folgeschäden dieser Arbeitssucht. Die Leistungsfähigkeit ist nur noch sehr gering. Arbeitssüchtige gehen ohne jegliche Therapie in der Regel mit Mitte 50 in Rente oder sterben sehr früh.
An den Folgen eines regelmäßigen, ständigen und zu vielem Arbeiten kann man sterben. Die Ursachen des Todes sind dann meistens:
- Schlaganfall
- Herzversagen
- Herzinfarkt
Therapie
Anders als bei anderen Suchtformen geht es bei der Therapie einer Arbeitssucht nicht in erster Linie darum, eine absolute Abstinenz zu erreichen, zumindest für einen gewissen Zeitraum. Würde der Betroffene nicht mehr Arbeiten gehen, bis seine Sucht „geheilt“ wäre, so könnte dies der endgültige Ruin für ihn bedeuten. Aufgrund dessen wird eine Verhaltenstherapie in Form einer Einzeltherapie oder einer Gruppentherapie angeraten.
Dabei werden als erstes auf die eigentlichen Ursachen der Krankheit eingegangen. Auch wird versucht dem Betroffenen klar zu machen, dass die Arbeitssucht tödlich sein kann. Es wird dem Betroffenen geholfen seine Einstellung und sein Verhalten gegenüber der Arbeit grundlegend zu ändern.
Tipps
Hier haben wir noch einige Tipps für sie zusammengestellt, die Ihnen bei dem Ausstieg aus der Arbeitssucht behilflich sein sollen:
- Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihr Arbeitsverhalten: Fertigen Sie über mehrere Tage bzw. Wochen ein Tagebuch an, wo Sie genauestens notieren wie lange und wann Sie arbeiten. Auch sollten sie vermerken, was sie sonst noch unternehmen.
- Versuchen Sie die Ursachen für Ihre Arbeitssucht herauszufinden: Bei diesem Punkt wäre eine therapeutische Unterstützung ratsam und hilfreich.
- Akzeptieren Sie, dass sie ein Problem mit Ihrem Arbeitsverhalten haben: Dies ist eine Krankheit! Kommt der Perfektionismus wieder einmal bei Ihnen durch, so wird es Ihnen schwer fallen, zuzugeben, dass diese Verhaltensweisen Ihnen Schaden zufügt. Verurteilen Sie sich also nicht dafür. Stattdessen versuchen Sie alles dafür zu tun, dieses negative Verhaltensmuster in Zukunft zu ändern.
- Suchen Sie alternative Verhaltensweisen: Vielleicht haben Sie schon einmal bemerkt, dass Sie nicht einfach Ihr Arbeitsplan in Aktivitäten mit der Familie oder Freunden ersetzen können. Dies wird Ihnen schwer fallen. Suchen Sie deswegen ganz gezielt nach Wegen, wie Sie das, was Sie durch ihr Suchtverhalten gewinnen, auf ganz natürliche und gesunde Weise erreichen können. Suchen Sie sich doch ein Hobby, was Ihnen Spaß macht, Sie ausfüllt und befriedigt. Auch die Stärkung des Selbstwertgefühls kann dabei sehr hilfreich sein, um nicht mehr auf Anerkennung, Lob und Bestätigung angewiesen sein zu müssen.
- Erstellen Sie sich eine Werteliste: Nehmen Sie sich einmal die Zeit und überlegen sich was und welche Werte Ihnen in Ihrem eben am wichtigsten sind. Dies könnte zum Beispiel sein: Liebe, Partnerschaft, Gesundheit, Spaß, Freundschaft, Lebensfreude, Finanzielle Sicherheit, Abwechslung, Freiheit, Beruflicher Erfolg, Engagement, Weiterentwicklung, usw. Schreiben Sie diese Werte auf und hängen sie an einen Ort, wo sie täglich öfters vorbei gehen. Auch ist es sinnvoll auf den Zettel die Werte zu schreiben, die Ihnen von nun an nicht mehr so wichtig sind, beispielsweise Erfolg, Karriere usw.
- Verfassen Sie einen konkreten Plan: Machen Sie sich Gedanken darüber, was Sie tun können, um die wichtigen Werte aus Punkt 5, in Ihrem Leben verwirklichen zu lassen. Was würden Sie in Zukunft alles dafür tun, dass diese Werte ( wieder ) ein Teil Ihres Lebens wird.
- Nehmen Sie sich Zeit und folgen Ihrem Plan: Es ist wichtig, dass Sie sich täglich Zeit für sich nehmen und die Arbeit einmal ruhen lassen. Erlernen Sie zum Beispiel ein Entspannungsverfahren oder bestimmte Atemübungen, die sie zweimal während Ihrer Arbeitszeit ausüben können. Gewöhnen Sie sich auch wieder an die tägliche Mittagspause, in der Sie sich stärken, auch wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie keine Zeit dafür haben. Nach einer Weile wird es wieder ganz natürlich sein, dass Sie sich eine Auszeit gönnen.
- Suchen Sie sich Unterstützung: Sprechen Sie zum Beispiel mit Ihrem Partner oder einem Freund über Ihren Plan. Überlegen Sie gemeinsam, wie diese Ihnen bei der Einhaltung behilflich sein können. Natürlich können Sie sich auch Hilfe von Ihrem Arzt, einem Psychotherapeuten oder einer Selbsthilfegruppe holen.
Tags: Arbeitssucht
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Letzte Änderung des Artikels: 2011-02-18 12:21
Autor: admin
Revision: 1.2
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