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ID #1021

Sexsucht

Definition
Für den einen ist Sex die schönste Nebensache der Welt und für andere ist es eine Sucht. Sexsucht, oder auch Hypersexualität genannt, ist ein übermäßig, gesteigertes Verlangen nach einer sexuellen Befriedigung, welches verschiedene Ursachen haben kann. Dabei muss der Sexsüchtige nicht nur andauernd an Sex denken, sondern ihn auch praktizieren, sei es als Selbstbefriedigung oder mit dem Partner / in. Bei dem Betroffenen dreht sich das ganze Leben nur noch um Sex. Die Familie, die Freunde, der Beruf und die Hobbys werden auf der Strecke gelassen. Dem Sexsüchtigen wird einfach alles egal, was nicht mit Sex zu tun hat. Die Psychologen geben dieser Situation „Kontrollverlust“ als Namen. Zudem äußert sich die Sexsucht bei jedem anders. Viele Betroffene sind permanent auf der Suche nach sexueller Befriedigung, doch meistens erleben sie dabei keinen sexuellen Höhepunkt. Aufgrund dieser unbefriedigten sexuellen Handlungen wird der Sexsüchtige die Suche nach einer sexuellen Erfüllung fortsetzen. Häufig hat der Betroffene ständig wechselnde Partner / innen, zu denen er keine innere Bindung aufbauen kann.

Früher wurden Frauen, welche eine offene Sexualität lebten und offensiv bei der Partnerwahl waren, als Nymphomaninnen oder nymphoman bezeichnet. Bei Männern sprach man dagegen von einem Don-Juan-Komplex oder Satyriasis.

Je nach Definition, geht man von 1 – 6 % der erwachsenen Bevölkerung aus, die an einer Sexsucht leiden. Dabei sind wesentlich mehr Männer betroffen als Frauen.

Ursachen
Man vermutet, dass verschiedene Faktoren an einer Sexsucht beteiligt sind. Dennoch sind die genauen Ursachen recht unklar. Zu den vermuteten Faktoren gehören:

  •  Psychologische Faktoren
  • Familiäre Faktoren
  • Körperliche Erkrankungen
  • Ausschüttung der Botenstoffe


Psychologische Faktoren
Psychologische Faktoren spielen oft eine wesentliche Rolle bei der Entstehung einer Sexsucht. Der Betroffene hat starke Selbstwertprobleme, Schamgefühle und das Gefühl einer unvollständigen Persönlichkeit. Manchmal sind dies die Folgen eines Missbrauches in der Kindheit. Dabei können diese körperlich, emotional oder sexuell erfolgt worden sein. Meistens wurden die ersten sexuellen Erlebnisse als aufregend und intensiv erlebt, sodass der Betroffene seine Probleme und Sorgen mit Sex behandeln möchte, um die unangenehmen Sachen zu vergessen. Da genau die großartigen ersten Erfahrungen nicht mehr genauso erreicht werden, kommt es zu immer wiederkehrenden Versuchen und einer Dosissteigerung. In den meisten Fällen beschreibt der Sexsüchtige seine ersten sexuellen Erfahrungen genauso als ein „Kick“, wie der Drogenabhängige bei seinen ersten Drogenerfahrungen.

Familiäre Faktoren
Eine genetische Veranlagung für ein süchtiges Verhalten kann ebenso eine Ursache für die Sexsucht sein. Dabei muss es sich nicht unbedingt um eine Sexsucht bei Familienangehörigen handeln, auch ein Alkoholiker hat mit höchster Wahrscheinlichkeit diese genetische Veranlagung.

Körperliche Erkrankungen
Einige körperliche Erkrankungen können ebenso einen gesteigerten sexuellen Drang verursachen. Dazu gehören zum Beispiel ein Tumor in der Nebennierenrinde oder eine psychische Erkrankung. Ausschüttung der Botenstoffe. Kommt es zu einem sexuellen Handeln, so werden Botenstoffe im Gehirn ausgeschüttet, die den körpereigenen Opiaten angehören. Typisch für diese Botenstoffe ist, dass ein Erregungsanstieg und ein sofortiger Stimmungswechsel statt findet. Dabei werden Schmerzen milder und Angstzustände verschwinden. Sind bei dem sexuellen Akt auch noch ein Risiko und Angst vorhanden, so ist die Wirkung noch höher.

Symptome
Nach und nach nehmen die Symptome einer Sexsucht zu. Während der Betroffene seine sexuellen Handlungen steigern lässt, wird die Befriedigung immer mehr auf der Strecke bleiben und die Wichtigkeit des Sexes wird immer bedeutender. Das gesteigerte sexuelle Verhalten kann nicht mehr kontrolliert werden. Folgende Anzeichen einer Sexsucht können sein:

  • Der Betroffene denkt nur noch an die Sexualität oder führt sie aus. Diese nimmt immer mehr Überhand an, sodass es zu einer Dosissteigerung kommt, da es zu keinerlei Befriedigung mehr kommt. Versucht der Sexsüchtige auf den Sex zu verzichten, verspürt er eine Leere in sich, bekommt eventuell Depressionen und Ängste und wird nervös.
  • In dem Leben des Sexsüchtigen dreht sich alles um die sexuellen Handlungen und die Erholung davon. Dabei kommt es früher oder später zur Vernachlässigung der Familie, Freunde, Arbeit und Hobby. Auch leiden andere Pflichten, wie zum Beispiel der Haushalt usw. unter dem ständigen Drang.
  • Da der Sexsüchtige immer mehr enttäuscht wird und keine Befriedigung mehr verspürt, verliert er immer mehr die Kontrolle über sein sexuelles Verhalten. Aber trotz des enormen Leidendrucks, kann der Betroffene seine sexuellen Betätigungen nicht sein lassen.
  • Neben der Verheimlichung der Sexsucht, kommt es zu gravierenden negativen Schäden. Oft kommt es zu Partnerschafts- oder familiären, beruflichen und letztendlich zu finanziellen Probleme. Auch besteht ein sehr hohes Risiko bei ständigem Sexpartner- Wechsel sich mit Geschlechtskrankheiten zu infizieren.
  • Der Betroffene verspürt nach und nach keine oder nur für eine kurze Zeit andauernde Befriedigung
  • Der Betroffene entwickelt sexuelle Zwangsvorstellungen oder Fantasien, die als Bewältigungsversuche eingesetzt werden. Der Sexsüchtige empfindet dies als eine betäubende Wirkung und lebt so seine aufgestauten Emotionen aus. Im Nachhinein treten meistens ausgeprägte Schuldgefühle auf.


Viele Betroffene leben ihre Sexsucht an Orten aus, wo sie Sex mit Unbekannten ausüben können, beispielsweise..

  • Parkanlagen oder Parkplätzen
  • Im Singerclub
  • Saunaclubs
  • Bordell


Dabei kommt es meistens zum direkten Körperkontakt. In der Regel werden in diesen Etablissements Geld oder andere Vorteile verlangt. Auch ist es häufig der Fall, dass der Sexsüchtige selber sexuelle Dienstleistungen gegen Geld anbietet. Es besteht auch die Möglichkeit durch einen indirekten Kontakt, wie beispielsweise Cybersex oder Telefonsex, seinen sexuellen Trieb freien Lauf zu lassen. In manchen Fällen kommt es bei einer behandlungsbedürftigen Sexsucht auch zu kriminellen Handlungen. Neben exhibitionistischen oder voyeuristischen Verhalten, kann es auch zu Vergewaltigungen, Sex mit Jugendlichen, Ausnutzungen und Zudringlichkeiten kommen. Dabei kommt es häufig zu Berührungen von anderen Menschen, ohne deren Erlaubnis. Jeder Sexsüchtige muss sich der Tatsache bewusst sein, dass dies strafbar ist und die Erkrankung „Sexsucht“ keine Entschuldigung für solche Handlungen ist. Oft tritt eine Sexsucht in Verbindung mit einer anderen psychischen Störung auf. Am häufigsten ist jedoch die Kombination Sexsucht mit einer Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit.

Therapie
Je nachdem, wie stark die Sucht voran geschritten ist und wie hoch der Leidendruck des Betroffenen ist, kann es sinnvoll sein, die Sexsucht zu behandeln. Oftmals wird eine kognitive Verhaltenstherapie angewandt, in der der Sexsüchtige schrittweise verstehen lernt, wie eine Sexsucht entsteht und wie man aus dieser Situation wieder heraus kommt. Diese Therapieform hilft dem Betroffenen sein gesteigertes sexuelles Verlangen besser unter Kontrolle zu haben. Zudem ist es oft hilfreich, eine zusätzliche medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka  anzuwenden. Auch eine Selbsthilfegruppe kann den Betroffenen helfen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, sich gegenseitig zu helfen, um so das Problem in den Griff zu bekommen. Für die meisten Therapeuten ist es schwierig eine Sexsucht „richtig“ zu behandeln, da einfach die nötige Erfahrung mit dieser Art von Sucht fehlt. Die meisten Menschen, die sexsüchtig sind, suchen keinen Arzt auf. Es sei denn, der Betroffene leidet sehr darunter oder es besteht eine weitere Suchterkrankung wie zum Beispiel eine Alkoholsucht oder eine Medikamentensucht. In diesen Fällen ist eine stationäre Behandlung notwendig, wobei zuerst auf die andere Suchterkrankung eingegangen und therapiert wird. Egal ob eine stationäre oder eine ambulante Behandlung erfolgt, das eigentliche Ziel der Behandlung einer Sexsucht ist es, dass der Betroffene wieder erlernt, seine Intimität ohne jegliche Sexualität zu erleben und negative Gefühle oder Erfahrungen zulässt, ohne sie mit Sex zu verarbeiten. Die Anfangsphase ist für den Betroffenen am schwierigsten. Denn es muss eine gewisse Zeitspanne überwunden werden, wo keinerlei sexuelle Handlungen stattfinden, weder mit sich selbst noch mit anderen Personen. Dabei werden extrem viele negative Gefühle auftreten, die in einer Gruppentherapie mit anderen Betroffenen verarbeitete werden. Der Sexsüchtige muss lernen eine gesunde Beziehung zu sich selbst aufzubauen. Denn dies ist der Grundbaustein, um eine ernsthafte Beziehung zu anderen aufzubauen und eine gesunde Sexualität ausleben zu können. In der Regel dauert die komplette Therapie einer solchen Sexsucht mehrere Jahre. Falls die Akutphase stationär behandelt wird, erfolgt die Nachbehandlung ambulant.

Verlauf
Je länger eine Sexsucht andauert, je schlimmer wird das Verlangen nach Sex. Der Betroffene muss sich immer mehr mit dem Thema beschäftigen und vernachlässigt so seine Familie, Freunde, Hobbys und seine Arbeit. Zudem lässt auch die Befriedigung immer mehr zu wünschen übrig. Dies führt ebenso zu einem häufigen Drang nach Sex.
In seltenen Fällen kommt es im weiteren Verlauf zu sexuellen Handlungen in der Öffentlichkeit. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten seine Sexualität auszuleben. In Form von:

  • Prostitution, sowohl als Freier als auch als Prostituierter selber
  • Exhibitionismus
  • Sexuelle Belästigung
  • Voyeurismus
  • Obszönen Anrufen


Da das Umfeld meistens erst sehr spät diese Sexsucht bemerkt, zum Beispiel wenn bereits eine Straftat begangen wurde, ist es sehr wichtig die Probleme rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln. Je tiefer man in dieser Sucht drin steckt, desto schwieriger ist es dort wieder raus zu kommen.

Tags: Sexsucht

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Letzte Änderung des Artikels: 2011-02-16 00:30
Autor: admin
Revision: 1.1

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