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Alkoholabhängigkeit
Definition
Die Alkoholabhängigkeit, auch Alkoholsucht oder auch Alkoholismus genannt,
ist eine Erkrankung, die auf die Abhängigkeit von Ethylalkohol basiert.
Mittlerweile wird in der EU die Alkoholabhängigkeit zu den größten
gesellschaftlichen Problemen gezählt. Am meisten wird dabei Bier
konsumiert, gefolgt vom Wein und den Spirituosen. Auch immer mehr Kinder und Jugendliche müssen immer häufiger im Krankenhaus wegen eines Alkoholmissbrauchs behandelt werden.
Sind mindestens 3 von den vorliegenden Punkten übereinstimmend, liegt mit höchster Wahrscheinlichkeit eine Alkoholabhängigkeit vor:
- Der Betroffene hat ein starkes Verlangen Alkohol zu konsumieren
- Der Betroffene verfügt über einen Kontrollverlust. Die Dosis des Alkohols ist nicht mehr frei bestimmbar
- Bei der Enthaltsamkeit des Alkohols treten körperliche Entzugssyndrome auf ( beispielsweise Angstzustände, Unruhe, Zittern, Schweißausbrüche )
- Interessen und Hobbys werden vernachlässigt oder sogar aufgegeben
- Toleranzentwicklung, dies bedeutet, dass sich der Körper an den Alkohol gewöhnt und nun nach einer höheren Trinkdosis verlang wird, damit die gleiche Wirkung erzielt wird
- Der Alkoholkonsum besteht weiterhin trotz schädlicher Folgen ( zum Beispiel Depressionen, Leberschäden, psychosoziale Konsequenzen )
Bereits bei einem täglichen Konsum von einem Liter Bier kann schnell eine Alkoholabhängigkeit entstehen
und es kann zu Folgeerkrankungen kommen. Folgender täglicher
Alkoholkonsum gilt als Grenze für körperliche Folgeerkrankungen:
Frauen: 20g reinen Alkohol pro Tag
Männer: 40g reinen Alkohol pro Tag
Jährlich sterben fast 74.000 Menschen durch den Alkoholkonsum bzw. Alkoholkonsum in Verbindung mit einer Tabakabhängigkeit.
Trinktypen und Abhängigkeitsgraden
Generell werden zwischen folgenden Trinktypen und Abhängigkeitsgraden unterschieden:
- Der Alpha- Trinker, oder auch Konflikttrinker genannt greift nur in Konfliktsituation zum Alkohol, dafür in großen Mengen. Es besteht eine psychische Abhängigkeit.
- Der Beta- Trinker, oder auch Gelegenheitstrinker genannt trinkt lediglich bei besondern und bestimmten Anlässen, zum Beispiel in Gesellschaft, im Urlaub oder auf Feiern. Es besteht zwar noch keine Alkoholabhängigkeit, aber der Konsument ist erheblich gefährdet eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln.
- Der Gamma- Trinker, oder auch der süchtige Trinker genannt, kann eine kurze Zeit auf Alkohol verzichten, dann muss er diesen jedoch wieder konsumieren. Die Dosis des Alkohols kann nicht mehr gesteuert werden, der Körper gewöhnt sich an den Alkohol und dadurch wird eine immer höhere Menge verzehrt. Es besteht eine psychische und körperliche Abhängigkeit.
- Der Delta- Trinker, oder auch Spiegeltrinker und Gewohnheitstrinker, nimmt stetig Alkohol zu sich ohne einen Rauschzustand zu entwickeln. Es besteht eine psychische und starke körperliche Abhängigkeit. Sobald der Alkoholspiegel im Blut sinkt, treten auch schon schnell die Entzugserscheinungen auf.
- Der Epsilon- Trinker, oder auch episodische Trinker und Quartalsäufer genannt, greift nur in besonderen Konfliktsituationen bzw. Gelegenheiten zum Alkohol. Anders als bei dem Beta- Trinker zerfällt der Epsilon- Trinker in einen mehrtägigen Trinkexzess, wobei sehr viel Alkohol konsumiert wird. Es besteht zwar eine psychische Abhängigkeit, dennoch kann der Betroffene einen wochen- bzw. monatelangen Verzicht gewährleisten.
Ursachen
Es ist erwiesen, das bei einer
Alkoholabhängigkeit mehrere Faktoren beteiligt seien müssen. Dies
bedeutet, dass nicht nur ein einziger Grund dafür verantwortlich sein
kann, dass eine Abhängigkeit besteht.
Es gibt eine Menge an Auslösern, die der Grund seien können, dass Menschen Alkohol trinken:
- Der Alkohol bringt Entspannung
- Der Alkohol verdrängt negative Gefühle wie zum Beispiel Langeweile, Depressionen, Angst, Unruhe usw.
- Durch den Alkohol wird man lockerer und geselliger
- Der Alkohol erleichtert den Kontakt zu anderen Menschen
- Der Alkohol macht einen mutiger
- Der Alkohol wird als Ersatz für ein Schmerz- oder Schlafmittel konsumiert
- Der Alkohol macht den Konsumenten aktiver, kreativer und zugleich inspiriert er
Diese scheinbar positiven Aspekte können Jahre andauern, bis der Alkoholgebrauch Probleme oder Folgeerkrankungen hervorruft. Dennoch können zum Beispiel folgende Ursachen auftreten, die einen Alkoholmissbrauch herauszögern können:
- Überlastung im Beruf
- Familiäre- oder soziale Probleme
- Depressionen
- Kommunikationsprobleme
- Verlust von Freunden oder Verwandten
- Sorgen und Probleme in der Freizeitgestaltung
- Sinnkrisen
- Konflikte mit dem Gesetz
Symptome & Folgeschäden
Viele
Menschen wissen nicht, welche Symptome der Alkohol auslösen kann.
Ausgegangen wird von einem gelegentlichen Konsumenten, der also nicht
regelmäßig Alkohol trinkt:
Bei 0,5 bis 1 Promille treten beispielsweise folgende Symptome auf:
- Koordinations- und Bewegungsstörungen
- Euphorie
- Enthemmung
- Erweiterung der Blutgefäße
Bei 1 bis 2 Promille:
- Übelkeit
- Schläfrigkeit
Bei 3 bis 4 Promille:
- Erbrechen
- Sprachausfälle
- Betäubung des Körpers
- Der Fall ins Koma ist möglich
Bei 5 Promille und mehr:
- Der gelegentliche Trinker kann bei der hohen Promille sterben
Auch treten sofortige körperliche und psychische Folgen einer Alkoholabhängigkeit auf, mit eingeschlossen sind die Entzugserscheinungen:
- Unruhezustände
- Zittern
- Nervosität
- Kein oder verminderter Appetit
- Gewichtsabnahme
- Angstzustände
- Depression
- Grippeähnliche Symptome
- Schlafstörungen
- Übelkeit
- Erbrechen
- Starkes Schwitzen
- Halluzinationen
- Erhöhte Reizbarkeit und Aggressivität
Der regelmäßige oder hohe Alkoholmissbrauch bringt eine Erhöhung des Risikos für viele verschieden Krankheiten mit sich:
- Speiseröhrenentzündungen
- Bauchspeichelentzündung
- Leberentzündung
- Leberzirrhose
- Erkrankungen von Herz und Gefäßsystem ( z. B. Herzvergrößerung, Herzrhythmusstörungen
- Krebs ( vor allem Tumore in der Mundhöhle, der Speiseröhre, des Rachens, der Leber, der weiblichen Brust usw. )
- Schäden des Nervensystems
- Potenzstörung
- Immunstörung
- Folsäuremangel
- Unfälle und Verletzungen durch Alkoholmissbrauch
- Vorgeburtliche Schädigungen des Embryos ( Herzfehler, Minderwuchs, geistige Behinderung )
Diagnose
Patienten,
die einen Arzt zu Rate ziehen, versuchen oft die Situation zu
verharmlosen. Dennoch muss sich der Betroffene bewusst sein, dass nur
ehrlichen Menschen geholfen werden kann. Der Arzt ist demnach eine
Person, der für das leibliche Wohl sorgen soll. Der Arzt wird einiges in
Betracht ziehen um eine Alkoholabhängigkeit zu diagnostizieren bzw.
auszuschließen:
- Eigen- und Fremdanamnese → der Arzt führt ein intensives Gespräch mit dem Patienten. Auch kann eine Bezugsperson, mit Einverständnis des Patienten, zugezogen und befragt werden.
- Blutuntersuchung → Der Arzt führt eine Blutuntersuchung durch und untersucht die Leberwerte bzw. Leberenzyme. Sind diese eine längere Zeit erhöht so besteht der Verdacht einer Alkoholabhängigkeit
- Körperliche Untersuchung → auch wird der Arzt einige körperliche Untersuchungen durchführen oder veranlassen um ein Bild über die Gesundheit des Patienten zu bekommen
- Typische Erkrankungsmuster
- Fragebogen → Vielleicht benutzt Ihr Arzt bei der Diagnostik einen Fragebogen, der dabei helfen soll eine Alkoholabhängigkeit zu erkennen.
Therapie
Eine
Alkoholabhängigkeit ist eine chronische Erkrankung, die nicht
vollständig geheilt werden kann. Auch wenn die Therapie erfolgreich war
und eine lange Alkohol-Abstinenz besteht kann der Konsum kleinster
Mengen Alkohol einen Rückfall verursachen. Das Beste Beispiel dafür ist
eine alkoholgefüllte Praline oder ein „Alkoholfreies Bier“, welches
ebenso eine kleine Menge an Alkohol enthält. Das wichtigste, damit
eine Alkohol-Therapie erfolgreich wird, ist, dass der Betroffene die
Erkenntnis haben muss, ein Leben lang auf den Alkohol verzichten zu
müssen um nicht wieder rückfällig zu werden. Eine Auseinandersetzung mit
dem Alkohol allgemein und dem Alkoholkonsum im Alltag ist unumgänglich
um eine gewisse Stabilität für den Körper und für die Seele zu
erreichen. Die Therapie wird in der Regel folgender Maßen gegliedert:
- Motivations- und Kontaktphase
- Entzugs- und Entgiftungsphase des Körpers
- Entwöhnungsbehandlung
- Nachsorgephase, Rehabilitationsphase, Rückfall- Vorbeugung
- Wiedereinstieg ins Berufsleben
Motivations- und Kontaktphase
Bei
dieser ersten Phase der Alkohol-Therapie ist es wichtig, dass der
Konsument Kontakt mit der Außenwelt aufnimmt. Sei es mit einer
Drogenberatungsstelle, einer Selbsthilfegruppe, mit einem Arzt, mit
Freunden oder Verwandten. Ein offenes Gespräch hilft dem Betroffenen die
notwendige Motivation für die Therapie zu erhalten.
Entzugs- und Entgiftungsphase des Körpers
Bei
der Entzugs- und Entgiftungsphase des Körpers wird dem Patienten unter
ärztlicher Kontrolle, meistens in einer stationären Behandlung, den
Alkohol entzogen. Die ärztliche Kontrolle ist deshalb so wichtig, weil
schwere Entzugserscheinungen auftreten könnten, wie ein Krampfanfall
oder eine Psychose, die mit Medikamenten entgegen gesteuert werden
müssen. In der Regel dauert ein Alkoholentzug 8 bis 10 Tage. Dabei
können Entzugserscheinungen auftreten wie:
- Zittern
- Angstzustände
- Übelkeit
- Erbrechen
- Starkes Schwitzen
- Kein oder verminderter Appetit und dadurch eine Gewichtsabnahme
- Angstzustände
- Unruhezustände
- Depressionen
- Grippeähnliche Symptome
- Schlafstörungen
- Aggressivität
- Erhöhte Reizbarkeit
- Nervosität
- Halluzinationen
Sowohl
bei der Entzugs- und Entgiftungsphase als auch bei der
Entwöhnungsbehandlung kann eine medikamentöse Behandlung sehr sinnvoll
sein. Dabei werden meistens Psychopharmaka und Medikamente, die die
Symptome der Entzugserscheinungen vermindern, eingesetzt.
Entwöhnungsbehandlung
Bei
dieser Phase der Behandlung wird der Patient lernen, ohne Alkohol im
Leben zurecht zu kommen. In einer Gruppen- oder Einzeltherapie werden
unter anderem Lebensmittel mit und ohne Alkohol besprochen. In
Verbindung damit, wird der Betroffene auch eine psychische Betreuung
erhalten, was einen Rückfall verhindern soll.
Nachsorgephase, Rehabilitationsphase, Rückfall- Vorbeugung
Bei
dieser Phase der Therapie ist es unumgänglich eine Psychotherapie
durchzuführen. Hierbei wird dem Betroffenen Lösungsstrategien für
verschiedene Situationen und Probleme vermittelt. Auch soll der Kontakt
zu Freunden und Angehörigen wieder stabilisiert werden. Für viele
Alkoholiker ist es hilfreich eine Selbsthilfegruppe wie die „Anonymen
Alkoholiker“ zu besuchen. Dort wird ebenso das Selbstbewusstsein
gestärkt und Erfahrungen ausgetauscht. Das Ziel einer Alkohol-Therapie ist es, eine lebenslange Abstinenz zu erreichen.
Verlauf & Prognose
Wird
ein Alkoholiker keine Therapie in Angriff nehmen, so ist die
Lebenserwartung in jedem Fall um 15 Jahre vermindert. Je nach Zustand
und Stärke des Menschen kann der Tod jedoch wesentlich früher
eintreffen.
Besteht aber eine konsequente Behandlung, so können
etwa 70 Prozent der Alkoholabhängigen vollständig rehabilitiert werden.
Je nach Dauer der Abhängigkeit und dem Beginn des Alkoholismus kann dies
jedoch schwanken. Wurde eine stetige Behandlung über 1 bis 4 Jahren
durchgezogen, so liegt die Zahl der abstinenten Patienten bei etwa 50
Prozent. Je länger die Therapie durchgeführt wird, desto mehr Patienten
werden dem Alkohol gegenüber bedürfnislos. Selbsthilfegruppen sind
für den Patienten sehr zu empfehlen, denn nur durch eine
gesellschaftliche Interaktion kann der Betroffene dauerhaft abstinent
bleiben. Auch der Rückhalt durch Angehörigen, Freunde, Kollegen usw. ist
überaus wichtig, um einen Rückfall zu vermeiden.
Kommt es jedoch zu einem Rückfall, muss dieser erneut mit einem Entzug behandelt werden.
Vorbeugen
Grundsätzlich
kann man einer Alkoholabhängigkeit vorbeugen, indem man erst gar
Alkohol verzehrt. Konsumiert man jedoch ab und zu Alkohol, sollte man
drauf achten, dass dies wirklich nicht regelmäßig geschieht.
Auch sollte man immer auf die Menge Acht geben. Hat
man einmal Sorgen und Probleme, sollten diese möglichst nicht mit
Alkohol „heruntergespült“ werden. Es gibt immer Lösungen für ein
Problem. Ein Gespräch mit der Familie oder Freunden wäre hier viel angemessener und hilfreicher.
Je
früher man eine Alkoholgefährdung erkennt und verhindert, desto größer
ist die Chance, erst gar nicht Alkoholabhängig zu werden!
Tags: Alkoholsucht
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Letzte Änderung des Artikels: 2011-02-28 19:11
Autor: admin
Revision: 1.5
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