Suchtformen » Substanzbezogene Abhängigkeiten

ID #1006

Alkoholabhängigkeit

Definition
Die Alkoholabhängigkeit, auch Alkoholsucht oder auch Alkoholismus genannt, ist eine Erkrankung, die auf die Abhängigkeit von Ethylalkohol basiert. Mittlerweile wird in der EU  die Alkoholabhängigkeit zu den größten gesellschaftlichen Problemen gezählt. Am meisten wird dabei Bier konsumiert, gefolgt vom Wein und den Spirituosen. Auch immer mehr Kinder und Jugendliche müssen immer häufiger im Krankenhaus wegen eines Alkoholmissbrauchs behandelt werden.

Sind mindestens 3 von den vorliegenden Punkten übereinstimmend, liegt mit höchster Wahrscheinlichkeit eine Alkoholabhängigkeit vor:

  • Der Betroffene hat ein starkes Verlangen Alkohol zu konsumieren
  • Der Betroffene verfügt über einen Kontrollverlust. Die Dosis des Alkohols ist nicht mehr frei bestimmbar
  • Bei der Enthaltsamkeit des Alkohols treten körperliche Entzugssyndrome auf ( beispielsweise Angstzustände, Unruhe, Zittern, Schweißausbrüche )
  • Interessen und Hobbys werden vernachlässigt oder sogar aufgegeben
  • Toleranzentwicklung, dies bedeutet, dass sich der Körper an den Alkohol gewöhnt und nun nach einer höheren Trinkdosis verlang wird, damit die gleiche Wirkung erzielt wird
  • Der Alkoholkonsum besteht weiterhin trotz schädlicher Folgen ( zum Beispiel Depressionen, Leberschäden, psychosoziale Konsequenzen )


Bereits bei einem täglichen Konsum von einem Liter Bier kann schnell eine Alkoholabhängigkeit entstehen und es kann zu Folgeerkrankungen kommen. Folgender täglicher Alkoholkonsum gilt als Grenze für körperliche Folgeerkrankungen:

Frauen: 20g reinen Alkohol pro Tag
Männer: 40g reinen Alkohol pro Tag

Jährlich sterben fast 74.000 Menschen durch den Alkoholkonsum bzw. Alkoholkonsum in Verbindung mit einer Tabakabhängigkeit.

Trinktypen und Abhängigkeitsgraden

Generell werden zwischen folgenden Trinktypen und Abhängigkeitsgraden unterschieden:

  • Der Alpha- Trinker, oder auch Konflikttrinker genannt greift nur in Konfliktsituation zum Alkohol, dafür in großen Mengen. Es besteht eine psychische Abhängigkeit.
  • Der Beta- Trinker, oder auch Gelegenheitstrinker genannt trinkt lediglich bei besondern und bestimmten Anlässen, zum Beispiel in Gesellschaft, im Urlaub oder auf Feiern. Es besteht zwar noch keine Alkoholabhängigkeit, aber der Konsument ist erheblich gefährdet eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln.
  • Der Gamma- Trinker, oder auch der süchtige Trinker genannt, kann eine kurze Zeit auf Alkohol verzichten, dann muss er diesen jedoch wieder konsumieren. Die Dosis des Alkohols kann nicht mehr gesteuert werden, der Körper gewöhnt sich an den Alkohol und dadurch wird eine immer höhere Menge verzehrt. Es besteht eine psychische und körperliche Abhängigkeit.
  • Der Delta- Trinker, oder auch Spiegeltrinker und Gewohnheitstrinker, nimmt stetig Alkohol zu sich ohne einen Rauschzustand zu entwickeln. Es besteht eine psychische und starke körperliche Abhängigkeit. Sobald der Alkoholspiegel im Blut sinkt, treten auch schon schnell die Entzugserscheinungen auf.
  • Der Epsilon- Trinker, oder auch episodische Trinker und Quartalsäufer genannt, greift nur in besonderen Konfliktsituationen bzw. Gelegenheiten zum Alkohol. Anders als bei dem Beta- Trinker zerfällt der Epsilon- Trinker in einen mehrtägigen Trinkexzess, wobei sehr viel Alkohol konsumiert wird. Es besteht zwar eine psychische Abhängigkeit, dennoch kann der Betroffene einen wochen- bzw. monatelangen Verzicht gewährleisten.


Ursachen
Es ist erwiesen, das bei einer Alkoholabhängigkeit mehrere Faktoren beteiligt seien müssen. Dies bedeutet, dass nicht nur ein einziger Grund dafür verantwortlich sein kann, dass eine Abhängigkeit besteht.

Es gibt eine Menge an Auslösern, die der Grund seien können, dass Menschen Alkohol trinken:

  • Der Alkohol bringt Entspannung
  • Der Alkohol verdrängt negative Gefühle wie zum Beispiel Langeweile, Depressionen, Angst, Unruhe usw.
  • Durch den Alkohol wird man lockerer und geselliger
  • Der Alkohol erleichtert den Kontakt zu anderen Menschen
  • Der Alkohol macht einen mutiger
  • Der Alkohol wird als Ersatz für ein Schmerz- oder Schlafmittel konsumiert
  • Der Alkohol macht den Konsumenten aktiver, kreativer und zugleich inspiriert er


Diese scheinbar positiven Aspekte können Jahre andauern, bis der Alkoholgebrauch Probleme oder Folgeerkrankungen hervorruft. Dennoch können zum Beispiel folgende Ursachen auftreten, die einen Alkoholmissbrauch herauszögern können:

  • Überlastung im Beruf
  • Familiäre- oder soziale Probleme
  • Depressionen
  • Kommunikationsprobleme
  • Verlust von Freunden oder Verwandten
  • Sorgen und Probleme in der Freizeitgestaltung
  • Sinnkrisen
  • Konflikte mit dem Gesetz


Symptome & Folgeschäden
Viele Menschen wissen nicht, welche Symptome der Alkohol auslösen kann. Ausgegangen wird von einem gelegentlichen Konsumenten, der also nicht regelmäßig Alkohol trinkt:

Bei 0,5 bis 1 Promille treten beispielsweise folgende Symptome auf:

  • Koordinations- und Bewegungsstörungen
  • Euphorie
  • Enthemmung
  • Erweiterung der Blutgefäße

Bei  1 bis 2 Promille:

  • Übelkeit
  • Schläfrigkeit

Bei 3 bis 4 Promille:

  • Erbrechen
  • Sprachausfälle
  • Betäubung des Körpers
  • Der Fall ins Koma ist möglich

Bei 5 Promille und mehr:

  • Der gelegentliche Trinker kann bei der hohen Promille sterben

Auch treten sofortige körperliche und psychische Folgen einer Alkoholabhängigkeit auf, mit eingeschlossen sind die Entzugserscheinungen:

  • Unruhezustände
  • Zittern
  • Nervosität
  • Kein oder verminderter Appetit
  • Gewichtsabnahme
  • Angstzustände
  • Depression
  • Grippeähnliche Symptome
  • Schlafstörungen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Starkes Schwitzen
  • Halluzinationen
  • Erhöhte Reizbarkeit und Aggressivität


Der regelmäßige oder hohe Alkoholmissbrauch bringt eine Erhöhung des Risikos für viele verschieden Krankheiten mit sich:

  • Speiseröhrenentzündungen
  • Bauchspeichelentzündung
  • Leberentzündung
  • Leberzirrhose
  • Erkrankungen von Herz und Gefäßsystem ( z. B. Herzvergrößerung, Herzrhythmusstörungen
  • Krebs ( vor allem Tumore in der Mundhöhle, der Speiseröhre, des Rachens, der Leber, der weiblichen Brust usw. )
  • Schäden des Nervensystems
  • Potenzstörung
  • Immunstörung
  • Folsäuremangel
  • Unfälle und Verletzungen durch Alkoholmissbrauch
  • Vorgeburtliche Schädigungen des Embryos ( Herzfehler, Minderwuchs, geistige Behinderung )


Diagnose
Patienten, die einen Arzt zu Rate ziehen, versuchen oft die Situation zu verharmlosen. Dennoch muss sich der Betroffene bewusst sein, dass nur ehrlichen Menschen geholfen werden kann. Der Arzt ist demnach eine Person, der für das leibliche Wohl sorgen soll. Der Arzt wird einiges in Betracht ziehen um eine Alkoholabhängigkeit zu diagnostizieren bzw. auszuschließen:

  • Eigen- und Fremdanamnese → der Arzt führt ein intensives Gespräch mit dem Patienten. Auch kann eine Bezugsperson, mit Einverständnis des Patienten, zugezogen und befragt werden.
  • Blutuntersuchung → Der Arzt führt eine Blutuntersuchung durch und untersucht die Leberwerte bzw. Leberenzyme. Sind diese eine längere Zeit erhöht so besteht der Verdacht einer Alkoholabhängigkeit
  • Körperliche Untersuchung → auch wird der Arzt einige körperliche Untersuchungen durchführen oder veranlassen um ein Bild über die Gesundheit des Patienten zu bekommen
  • Typische Erkrankungsmuster
  • Fragebogen → Vielleicht benutzt Ihr Arzt bei der Diagnostik einen Fragebogen, der dabei helfen soll eine Alkoholabhängigkeit zu erkennen.


Therapie
Eine Alkoholabhängigkeit ist eine chronische Erkrankung, die nicht vollständig geheilt werden kann. Auch wenn die Therapie erfolgreich war und eine lange Alkohol-Abstinenz besteht kann der Konsum kleinster Mengen Alkohol einen Rückfall verursachen. Das Beste Beispiel dafür ist eine alkoholgefüllte Praline oder ein „Alkoholfreies Bier“, welches ebenso eine kleine Menge an Alkohol enthält. Das wichtigste, damit eine Alkohol-Therapie erfolgreich wird, ist, dass der Betroffene die Erkenntnis haben muss, ein Leben lang auf den Alkohol verzichten zu müssen um nicht wieder rückfällig zu werden. Eine Auseinandersetzung mit dem Alkohol allgemein und dem Alkoholkonsum im Alltag ist unumgänglich um eine gewisse Stabilität für den Körper und für die Seele zu erreichen. Die Therapie wird in der Regel folgender Maßen gegliedert:

  • Motivations- und Kontaktphase
  • Entzugs- und Entgiftungsphase des Körpers
  • Entwöhnungsbehandlung
  • Nachsorgephase, Rehabilitationsphase, Rückfall- Vorbeugung
  • Wiedereinstieg ins Berufsleben


Motivations- und Kontaktphase
Bei dieser ersten Phase der Alkohol-Therapie ist es wichtig, dass der Konsument Kontakt mit der Außenwelt aufnimmt. Sei es mit einer Drogenberatungsstelle, einer Selbsthilfegruppe, mit einem Arzt, mit Freunden oder Verwandten. Ein offenes Gespräch hilft dem Betroffenen die notwendige Motivation für die Therapie zu erhalten.

Entzugs- und Entgiftungsphase des Körpers
Bei der Entzugs- und Entgiftungsphase des Körpers wird dem Patienten unter ärztlicher Kontrolle, meistens in einer stationären Behandlung, den Alkohol entzogen. Die ärztliche Kontrolle ist deshalb so wichtig, weil schwere Entzugserscheinungen auftreten könnten, wie ein Krampfanfall oder eine Psychose, die mit Medikamenten entgegen gesteuert werden müssen. In der Regel dauert ein Alkoholentzug 8 bis 10 Tage. Dabei können Entzugserscheinungen auftreten wie:

  • Zittern
  • Angstzustände
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Starkes Schwitzen
  • Kein oder verminderter Appetit und dadurch eine Gewichtsabnahme
  • Angstzustände
  • Unruhezustände
  • Depressionen
  • Grippeähnliche Symptome
  • Schlafstörungen
  • Aggressivität
  • Erhöhte Reizbarkeit
  • Nervosität
  • Halluzinationen


Sowohl bei der Entzugs- und Entgiftungsphase als auch bei der Entwöhnungsbehandlung kann eine medikamentöse Behandlung sehr sinnvoll sein. Dabei werden meistens Psychopharmaka und Medikamente, die die Symptome der Entzugserscheinungen vermindern, eingesetzt.

Entwöhnungsbehandlung
Bei dieser Phase der Behandlung wird der Patient lernen, ohne Alkohol im Leben zurecht zu kommen. In einer Gruppen- oder Einzeltherapie werden unter anderem Lebensmittel mit und ohne Alkohol besprochen. In Verbindung damit, wird der Betroffene auch eine psychische Betreuung erhalten, was einen Rückfall verhindern soll.

Nachsorgephase, Rehabilitationsphase, Rückfall- Vorbeugung
Bei dieser Phase der Therapie ist es unumgänglich eine Psychotherapie durchzuführen. Hierbei wird dem Betroffenen Lösungsstrategien für verschiedene Situationen und Probleme vermittelt. Auch soll der Kontakt zu Freunden und Angehörigen wieder stabilisiert werden. Für viele Alkoholiker ist es hilfreich eine Selbsthilfegruppe wie die „Anonymen Alkoholiker“ zu besuchen. Dort wird ebenso das Selbstbewusstsein gestärkt und Erfahrungen ausgetauscht. Das Ziel einer Alkohol-Therapie ist es, eine lebenslange Abstinenz zu erreichen. 

Verlauf & Prognose
Wird ein Alkoholiker keine Therapie in Angriff nehmen, so ist die Lebenserwartung in jedem Fall um 15 Jahre vermindert. Je nach Zustand und Stärke des Menschen kann der Tod jedoch wesentlich früher eintreffen.

Besteht aber eine konsequente Behandlung, so können etwa 70 Prozent der Alkoholabhängigen vollständig rehabilitiert werden. Je nach Dauer der Abhängigkeit und dem Beginn des Alkoholismus kann dies jedoch schwanken. Wurde eine stetige Behandlung über 1 bis 4 Jahren durchgezogen, so liegt die Zahl der abstinenten Patienten bei etwa 50 Prozent. Je länger die Therapie durchgeführt wird, desto mehr Patienten werden dem Alkohol gegenüber bedürfnislos. Selbsthilfegruppen sind für den Patienten sehr zu empfehlen, denn nur durch eine gesellschaftliche Interaktion kann der Betroffene dauerhaft abstinent bleiben. Auch der Rückhalt durch Angehörigen, Freunde, Kollegen usw. ist überaus wichtig, um einen Rückfall zu vermeiden.
Kommt es jedoch zu einem Rückfall, muss dieser erneut mit einem Entzug behandelt werden.

Vorbeugen
Grundsätzlich kann man einer Alkoholabhängigkeit vorbeugen, indem man erst gar Alkohol verzehrt. Konsumiert man jedoch ab und zu Alkohol, sollte man drauf achten, dass dies wirklich nicht regelmäßig geschieht.
Auch sollte man immer auf die Menge Acht geben. Hat man einmal Sorgen und Probleme, sollten diese möglichst nicht mit Alkohol „heruntergespült“ werden. Es gibt immer Lösungen für ein Problem. Ein Gespräch mit der Familie oder Freunden wäre hier viel angemessener und hilfreicher.

Je früher man eine Alkoholgefährdung erkennt und verhindert, desto größer ist die Chance, erst gar nicht Alkoholabhängig zu werden!

Tags: Alkoholsucht

Verwandte Artikel:

Letzte Änderung des Artikels: 2011-02-28 19:11
Autor: admin
Revision: 1.5

Digg it! Share on Facebook Artikel ausdrucken Artikel weiterempfehlen Als PDF-Datei anzeigen
Übersetzungsvorschlag für Übersetzungsvorschlag für
Bewertung der Nützlichkeit dieses Artikels:

Durchschnittliche Bewertung: 4.5 (8 Abstimmungen)

vollkommen überflüssig 1 2 3 4 5 sehr wertvoll

Kommentieren nicht möglich

>