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Suchtformen » Substanzbezogene Abhängigkeiten
Medikamentensucht - Schlaf- & Beruhigungsmittel
Definition & Allgemeines
Eine Abhängigkeit von Schlaf- & Beruhigungsmitteln besteht dann, wenn eine Person den unwiderstehlichen Drang verspürt, ständig bzw. regelmäßig ein bestimmtes Medikament einnehmen zu müssen. Dieses Bedürfnis kann sowohl körperlich als auch psychisch verspürt werden. Medizinisch verwendet man den Begriff Hypnotika für das Schlafmittel. Diese enthalten Substanzen, die den Schlafvorgang fördern und verändern die natürlichen Schlafeigenschaften. Sedativa bzw. Tranquilizer werden in der Medizin die Beruhigungsmittel genannt, die eine entspannende und angstlösende Wirkung aufweisen. Tranquilizer zählen zu den meist verordneten Psychopharmaka. Sie werden verwendet bei akuten, kurz andauernden krisenhaften Situationen. Sehr viele Schlaf- & Beruhigungsmittel enthalten den Wirkstoff Benzodiazepin, beispielsweise Nitrazepam, Lorazepam oder Diazepam. Die meisten Benzodiazepin- haltigen Arzneimittel haben eine recht hohe Halbwertszeit. Dies ist die Zeit, in der das Medikament in der Blutkonzentration um die Hälfte abgebaut wurde. Der aktive Metabolit im Diazepam, zum Beispiel, beträgt 36 bis 200 Stunden. Das bedeutet, dass noch 200 Stunden, nach der Einnahme des Diazepam, noch die Hälfte der aktiven Wirkstoffe im Blut vorhanden sind. Deswegen haben viele Patienten morgens das Problem rechtzeitig aufzustehen und den Tag gut zu überstehen. Zum Teil wird der Wirkstoff im Fettgewebe gespeichert. Dies ist ein Nachteil, da es so leicht zu einer Anhäufung des Wirkstoffes bzw. Überdosis kommen kann. Dies ist vor allem der Fall, wenn täglich eine Tablette eingenommen wird. Verstoffwechselt, oder auch metabolisiert genannt, werden die Benzodiazepine in der Leber und später werden die Abbaustoffe mit dem Urin ausgeschieden. Bereits in niedriger und regelmäßiger Dosierung können Benzodiazepine eine Abhängigkeit erzeugen. Zudem kommt, dass die Wirksamkeit nach wenigen Wochen stark nachlässt, sodass der Patient eine immer höhere Dosierung einnehmen muss. Eine Behandlung mit den Schlaf- & Beruhigungsmittel, die Benzodiazepine enthalten, wird als Daueranwendung bei lang anhaltenden Erkrankungen, wie zum Beispiel Angstzustände oder ängstlich- depressive Verstimmungen, abgeraten. Aus diesem Grund sind sie in der Regel nach 4 Wochen wieder abzusetzen. Eine gute Alternative für die Benzodiazepine sind die Wirkstoffe der sogenannten „Z- drugs“, wie Zopiclon, Zolpidem oder Zaleplon. Sie besitzen zwar eine andere chemische Struktur als die Benzodiazepine, dennoch ist wirkweise recht ähnlich. Auch die Halbwertzeit liegt etwa bei 2- 3 Stunden und reichert sich daher auch nicht im Körper an. Diese Schlaf- & Beruhigungsmittel werden vom Körper leicht und auch schnell aufgenommen und somit auch wieder schnell abgebaut. Im Gegensatz zu den Benzodiazepinen haben die „Z- drugs „ ein geringeres Abhängigkeitspotenzial.
Die meisten Schlaf- und Beruhigungsmittel (Hypnotika, Sedativa, Tranquilizer) enthalten als Wirkstoff Benzodiazepine (zum Beispiel Diazepam) oder verwandte Substanzen. Sie wirken dämpfend, fördern den Schlaf, lösen Ängste sowie Verkrampfungen und entspannen die Muskulatur. Häufige Einsatzgebiete sind daher zum Beispiel Schlafstörungen, Spannungszustände, innere Unruhe und Nervosität.
Symptome & Folgeschäden
Eine Schlafmittelabhängigkeit bringt eine erhöhte Unfall- und Sturzgefahr mit sich, vor allem sind ältere Menschen vermehrt betroffen. Insbesondere können schwere körperliche Folgen auftreten. Folgende Auswirkungen können eine Schlafmittelsucht haben:
- Es kann in vielen Fällen zu Bewegungs-, Gleichgewichts-, Sprachstörungen kommen
- Verminderte Leistungsfähigkeit, Benommenheit und Konzentrationsstörung aufgrund der Ermüdungserscheinungen
- Der Betroffene isoliert sich von seiner Umwelt, auch von seiner Familie und seinen Freunden
- Es kann zu Angstzuständen, Depressionen und Stimmungsschwankungen kommen
- Betroffene vernachlässigen oft ihr Äußeres und ihren Haushalt
- Selbstmordgedanken
- Verwirrung, Unruhe, Schlaflosigkeit
Setzt man die Schlaf- & Beruhigungsmittel ab oder lässt die Wirkung bei einer Abhängigkeit nach, so entstehen mehr oder weniger starke körperliche Entzugserscheinungen:
- Kopfschmerzen
- Schwitzen
- Frieren, Schüttelfrost
- Zittern
- Schwindel
- Abgeschlagenheit, Schlappheit, Erschöpfungszustände
- Unruhe
- Schmerzempfinden, am ganzen Körper möglich
- Herzrasen
- Schlafstörungen
- Muskelkrämpfe
- Magen- Darm- Beschwerden
- Epileptische Anfälle
- Hautveränderungen, Schwäche oder neurologische Symptome aufgrund einer Mangelernährung
Bei einer Medikamentenabhängigkeit kommt es oft zu Organschäden, beispielsweise zu Leberschädigungen, Magenerkrankungen, Nierenversagen, Es wird geschätzt, dass etwa 10 bis 15 Prozent der Dialysepatienten wegen einer Medikamentensucht an den Nieren erkrankt sind.
Diagnose
Die Diagnose „ Tablettenabhängigkeit“ ist selbst für den Arzt recht schwer festzustellen. Denn der Betroffene verheimlicht seine Abhängigkeit und verhält sich eher unauffällig. Dennoch gibt es einige typische Hinweise, die auf eine Medikamenten- bzw. Schlaf- & Beruhigungsmittel hindeuten lassen:
- Heimlichkeit: Der Betroffene lässt sich oft die Medikamente von vielen unterschiedlichen Ärzten verschreiben, um nicht auffällig zu werden. Auch eine Beschaffung der Arzneimittel auf illegalem Wege zieht der Betroffene in Betracht.
- Dosissteigerung: Der Betroffene konsumiert die Arzneimittel länger oder in größeren Mengen als der Arzt eigentlich verordnet hatte
- Indikationserweiterung: Der Betroffene verwendet die Schlaf- & Beruhigungstabletten auch für andere Beschwerden oder in schwierigen Situationen, beispielsweise tagsüber zur Beruhigung
- Fixierung: Ein Leben ist zurzeit für den Betroffenen nicht mehr ohne Schlaf- & Beruhigungsmittel denkbar. Es dreht sich alles nur noch um die Medikamenteneinnahme. Selbst eine Reduktion oder sogar eine Beendigung der Einnahme ist nicht mehr möglich
Therapie
Auch bei dieser Abhängigkeitserkrankung spielt der Wille des Betroffenen eine wichtige Rolle. Der Betroffene muss dabei das Einverständnis und Motivation mitbringen, damit die Therapie erfolgreich wird. Die einzige Möglichkeit eine Schlaf- & Beruhigungsmittelsucht zu therapieren ist ein Entzug bzw. eine Entwöhnung. Diese erfolgt in der Regel in einer Klinik unter ärztlicher Beobachtung. Die Vorgehensweise können Sie dem Punkt Allgemeines → Therapie entnehmen.
Prognose
Je früher man eine Medikamentenabhängigkeit behandelt, desto besser ist auch die Prognose. Sind die Arzneimittel bereits etliche Jahre eingenommen worden, so ist es wahrscheinlich, dass schon Organschäden vorhanden sind.
Vorbeugung
Versuchen Sie nicht sofort, wenn einmal Einschlafprobleme bestehen, zu einer Schlaftablette zu greifen. Zwar führen pflanzliche Mittel, wie Baldrian- oder Hopfen- Präparate, nur selten zu einer Medikamentenabhängigkeit, dennoch sind sie als Einstiegsmedikamente für eine Schlaf- & Beruhigungsabhängigkeit von Benzodiazepine bekannt. Greifen Sie erstmal zu bewährte Hausmittel wie warme Milch mit Honig o.ä. Sollte dies überhaupt nichts nutzen, so nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Arzt auf und besprechen mit ihm die Situation.
Weitere Informationen zum Thema "Arzneimittel" finden Sie unter: www.arzneimittel.com
Tags: Beruhigungsmittel, Medikamente, Schlafmittel, Tabletten
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Letzte Änderung des Artikels: 2011-02-16 00:57
Autor: admin
Revision: 1.4
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