Navigation
Einträge in dieser Kategorie
Tags
Quicklinks
Suchtformen » Substanzbezogene Abhängigkeiten
Tabak- / Nikotinsucht
Definition
Eine Tabak- und Nikotinsucht ist das zwanghafte und regelmäßige Verlangen nach Nikotin bzw. Tabak.
Hier besteht die Möglichkeit den Tabak in Form einer Zigarette, einer Zigarre oder einer Pfeife zu Rauchen oder den Tabak zu schnupfen. Da der Zigarettenkonsum weit überwiegt spricht man meistens von einer Zigarettenabhängigkeit oder –sucht. Wie bei den meisten Abhängigkeitsformen auch, unterscheidet man bei der Zigarettenabhängigkeit zwischen einer seelischen ( psychisch ) und körperlichen ( physisch ) Abhängigkeit.
Die
seelische Abhängigkeit kommt aus dem innerlichen des Körpers und man
verspürt ein extremes Verlangen Nikotin immer und immer wieder zu
konsumieren. Auch bei der körperlichen Abhängigkeit verspürt man dieses
Verlangen, jedoch treten zusätzlich beim Fehlen des Nikotins Entzugserscheinungen
auf. Schließlich ist Nikotin ein hochgiftiges Suchtmittel. Diese jedoch
halten bei jedem Menschen unterschiedlich stark und unterschiedlich
lange an. Während der eine Nikotinabhängige überhaupt keine
Entzugserscheinungen verspürt, treten bei dem anderen sehr starke
körperliche Symptome auf.
Ursachen
Die Ursachen einer Nikotinabhängigkeit entstehen erst durch das ständige Rauchen. Hat man den Zigarettenrauch
inhaliert, erreicht dieser nach weniger Zeit die Lunge, die ihn weiter
an unsere komplette Blutbahn leitet. In unserem Gehirn ist eine
sogenannte Blut- Hirn- Schranke vorhanden, die sozusagen ein Filter
unseres Körpers für körperfremde Stoffe darstellt. Nikotin hat
jedoch die Fähigkeit diese Blut- Hirn- Schranke zu überwinden und in
unser Gehirn zu gelangen. In unserem Nervensystem gibt es verschiedene
Rezeptoren, auch Sinneszellen genannt, die für unsere Reizwahrnehmung
sehr wichtig sind. Es gibt einen körpereigenen Botenstoff
Neurotransmitter ), der die ähnliche Struktur wie vom Nikotin besitzt,
das Acetylcholin. Da das Nikotin über die ähnliche Struktur des Acetylcholin verfügt, hat das Nikotin nun
die Möglichkeit an den Acetylcholin- Rezeptor anzudocken. In diesem
Fall wird automatisch eine Ausschüttung von weiteren verschiedenen
Botenstoffen, wie zum Beispiel Noradrenalin, Dopamin, Serotonin und
Endorphine, veranlasst. Letztendlich verursacht die Ausschüttung eine
Anspannung des Körpers: die Köpertemperatur wird runter gefahren, das
Herz schlägt schneller, dadurch steigt auch der Blutdruck und die
Durchblutung der inneren Organ, der Arme und den Beinen wird herunter
gefahren. Diese typische bewusste Reaktion unseres Körpers ist wie ein
Abwehrmechanismus.
Ist einige Zeit vergangen, bei dem einen geht dies
schneller bei dem anderen langsamer, beginnt der Botenstoff- Spiegel im
Blut wieder zu sinken. Folge dessen sind Entzugserscheinungen. Der
Körper verlangt also wieder nach Nikotin, damit sich der Kreislauf wieder schließt. Je öfter der Kreislauf geschlossen wird, desto mehr Nikotinrezeptoren werden
gebildet, die unempfindlich für das Nikotin sind. Das Ergebnis davon
ist, dass der Konsument immer öfter und mehr Nikotin zuführen muss, um
eine Befriedigung zu verspüren.
Der ganze Prozess findet innerhalb von ca. 7 Sekunden pro Zigarettenzug statt.
Neben
dieser Ursache ist die entspannende Wirkung des Nikotins jedoch
bedeutender. Der Grund dafür ist, dass das Belohnungszentrum im Gehirn,
medizinisch auch Nucleus accumbens genannt, vom Nikotin angesprochen wird. Bei einem Nichtraucher bleibt diese entspannende Wirkung des Nikotins etwa 120 Minuten und bei einem starken Raucher nur noch ca. 30 Minuten bestehen. Wird das Nikotin vom
Körper wieder abgebaut, so bildet sich Nikotinsäure, welches ein
Vitamin des Vitamin- B- Komplexes ist. Die Nikotinsäure wirkt dabei
gefäßerweiternd und lässt die psychomotorische ( geistige )
Leistungsfähigkeit steigern.
Auch sollte man sich bewusst sein, dass
die Tabakhersteller neben dem hochgiftigen Nikotin auch noch ca. 600
andere Zusatzstoffe beimischen, die teilweise abhängig machen können.
Symptome
Es
entstehen bei einer Nikotinabhängigkeit sowohl wieder körperliche als
auch seelische Symptome. Beide werden sowohl bei der Nikotinaufnahme als
auch bei dem Nikotinentzug auftreten.
Nikotinaufnahme
Bei den Symptomen spielt es keine Rolle, ob der Konsument bereits abhängig ist oder nur gelegentlich raucht. In beiden Fällen sind folgende Symptome vorhanden:
- Schnelleren Puls ( das Herz schlägt schneller )
- Anstieg des Blutdrucks
- Senkung der Körpertemperatur
- Verminderung der Durchblutung von inneren Organen, Armen und Beinen
- Gefäßerweiternd ( beim Abbau des Nikotins )
- Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit ( beim Abbau des Nikotins )
Nikotinentzug
Bei einem Nikotinentzug können folgende körperliche Symptome auftreten, die in der Regel nach 3 – 4 Wochen verschwunden sind:
- Schlafstörungen
- Nervosität
- Angstzustände
- Verlangsamter Fett- und Kohlenhydratabbau, daher Gewichtszunahme
- Reizbarkeit
- Zittern
- Unzufriedene und depressive Stimmung
- Unruhezustände
- Aggressivität
- Hungergefühl
- Konzentrationsstörungen
Da die meisten Betroffenen eine längere Zeit das Nikotin
konsumiert haben und sich zu bestimmten Situationen, zum Beispiel bei
Stress und Problemen, in Gesellschaft, bei Langeweile oder um die
geistige Leistungsfähigkeit anzuregen, das Rauchen angewöhnt haben,
besteht die psychische Nikotinabhängigkeit meistens länger und werden
als intensiver empfunden. Von daher fällt es den meisten Abhängigen sehr
schwer, die Situationen ohne Nikotin zu erleben. Viele Ex- Raucher
ersetzen das Rauchen mit Essen. Da der Körper nach einem Entzug jedoch
Fette und Kohlenhydrate nur verlangsamt abbauen kann, kommt es recht
häufig zu einer Gewichtszunahme. Wichtig ist daher, dass auf eine
gesunde Ernährung geachtet und viel Sport getrieben wird, wenn eine
Gewichtszunahme verhindert werden will.
Therapie
Nach
der eigentlichen Therapie sind oft Entzugserscheinungen vorhanden. Die
körperlichen sind vielleicht schon abgeklungen, aber die seelischen
halten meistens länger an. Dies ist auch der Grund, warum viele Ex-
Raucher wieder rückfällig werden. Nichts desto trotz gibt es einige
Methoden, die Ihnen den Weg in eine rauchfreie Zukunft erleichtern
können:
- Die richtige Einstellung
- Die Reduktionsmethode
- Die Schluss- Punkt- Methode
- Nikotinersatztherapie
- Medizinische Unterstützung
- Verhaltenstherapie
- Sonstige Methoden
Die richtige Einstellung
Das wichtigste
überhaupt ist, dass der Raucher die richtige innere Einstellung hat. Er
muss selber den Willen haben von dem Tabakkonsum loszukommen. Ist dies
nicht gegeben, so hat jeglicher Versuch, von dem Tabak wegzukommen, oft
keinen Sinn. Der Raucher hat dann nicht die nötige Kraft um das
Verlangen der nächsten Zigarette zu widerstehen. Auch wird es dem
Raucher ohne eigene Willensstärke wesentlich schwerer fallen gegen die
Entzugserscheinungen zu arbeiten.
Die
Reduktionsmethode
Die
Reduktionsmethode wird vom Fachpersonal generell nicht gerne empfohlen.
Bei dieser Methode wird nach und nach der Nikotinkonsum reduziert. Das
Problem dabei ist, dass die letzten Zigaretten immer mehr an Bedeutung
gewinnen, je weniger es werden. Im Enddefekt wird es dem Raucher nach
dem Rauchen der letzten Zigarette extrem schwer fallen nun keine mehr zu
rauchen.
Die Schluss- Punkt- Methode
Diese Methode wird
heutzutage am ehesten zur Nikotinentwöhnung eingesetzt. Dabei wird ein
bestimmter Termin ausgesucht, an dem der Nikotinkonsum ein Ende haben
soll. Dabei wird keine vorherige Maßnahme, wie zum Beispiel die
Reduktionsmethode, angewendet. Dennoch ist diese Methode mit den
anderen Methoden kombinierbar um eine noch bessere Unterstützung bei
diesem Vorhaben zu erhalten. Mit dieser Methode besteht die beste
Erfolgsquote.
Nikotinersatztherapie
Bei de Nikotinersatztherapie wird das Nikotin in einer anderen Form dem Körper zugeführt. So gibt es Nikotinersatzpräparate als:
- Pflaster
- Kaugummi
- Nasenspray
- Inhalator
- Lutschtablette
Als die Präparate gibt es in der Apotheke zu kaufen. Lassen Sie
sich jedoch fachlich beraten, entweder von einem Apotheker oder einem
Arzt, damit das beste Produkt Anwendung findet. Die
Nikotinersatzpräparate werden über mehrere Wochen angewendet und nach
und nach in der Dosis verringert. In dieser Therapieform ist die
Reduktionstherapie automatisch mit eingebunden. Durch die
Nikotinersatztherapie wird versucht, die Entzugserscheinungen so weit es
geht zu verringern. Jedoch können diese nicht ganz unterdrückt werden.
Aber
auch für diese Methode ist es wichtig einen starken Willen zu haben.
Denn die Produkte sind eine gute Unterstützung jedoch kein Ersatz für
einen fehlenden Willen den Nikotinkonsum zu unterlassen.
Medizinische Unterstützung
Manch
einer möchte gerne unbedingt das Rauchen aufhören. Jedoch besteht das
Gefühl, dass es alleine nicht funktioniert. In diesem Fall kann die
ärztliche Unterstützung sehr sinnvoll sein. Der Arzt wird Ihnen, so gut
es geht, in allen Punkten zu Helfen. Er hat zudem die Möglichkeit die
Raucherentwöhnung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zu
unterstützen. Diese verringern die Entzugserscheinungen, können aber
Nebenwirkungen wie zum Beispiel Schlafstörungen oder Kopfschmerzen
aufweisen. Auch kann eine Akupunktur in Erwägung gezogen werden, die
allerdings von dem Raucher selbst bezahlt werden muss. Dabei werden
unterschiedliche Punkte des Körpers mit einem Laser oder kleinen
Akupunkturnadeln stimuliert. Auf diese Weise kann man den Symptomen
einer Entzugserscheinung entgegenwirken. Bei
einer Verhaltenstherapie werden die Ursachen für das Verlangen nach dem
Nikotin gesucht und bearbeitet. Dies bedeutet auch, dass die Ursachen
besser von dem Betroffenen umgangen werden können. Während der Therapie
wird zudem erlernt, wie der Konsument mit so ähnlichen Situationen
umgehen sollte und nicht sofort zur nächsten Zigarette greifen muss.
Sonstige Methoden
Es
gibt noch weitere Methoden, die eine wertvolle Hilfe auf dem Weg zum
Nichtraucher sein können. Die Meinungen zu dessen Wirksamkeit gehen zwar
auseinander, jedoch gibt es viele Ex- Raucher, die damit Erfolg hatten.
Auch können diese Methoden problemlos mit den anderen bereits
vorgestellten Methoden kombiniert werden.
Weitere Methoden wären:
- Hypnosetherapie
- Autogenes Training
- Aversionstherapie
Verlauf
Der Einstieg in eine
Zigarettenabhängigkeit ist in den meisten Fällen recht harmlos. Oft sind
es psychische Probleme, aber auch Gruppendruck oder das Experimentieren
im Jugendlichen Alter, die einen in die Abhängigkeit drängen. Bereits
nach wenigen Zigaretten kann eine Zigarettenabhängigkeit bereits
vorhanden sein, vor allem dann, wenn der Betroffene das Rauchen als
positiv empfunden hat. Dann ist es sehr schwer einfach wieder davon
wegzukommen. Ist die psychische Abhängigkeit bereits eingetreten, ist
die körperliche Abhängigkeit auch nicht mehr weit fern. Der Körper ist
nun an dem Nikotin gewöhnt und verlangt ständig nach einer Zigarette.
Bekommt der Körper diese nicht, so entstehen dann die
Entzugserscheinungen. Nach kurzer Zeit verlangt der Körper bereits
höhere Dosen des Nikotins, um die Sucht zu befriedigen. Schnell kann aus
einem Gelegenheitsraucher ein süchtiger Raucher werden. Je stärker
die Abhängigkeit ist, desto mehr wird das Nikotin konsumiert. Kennt der
Raucher kein Maß und Ziel der Zigaretten mehr, so ist er ein
Kettenraucher. Dieser nimmt täglich eine große Menge von dem
hochgiftigen Nikotin und deren ungesunden Inhaltsstoffen auf.
Vorbeugung
Eigentlich
lässt sich die Nikotinabhängigkeit nur auf einem Weg vorbeugen, indem
man das Nikotin von Anfang an vermeidet und erst gar nicht mit dem
Rauchen anfängt. Eltern, Verwandte, Freunde und andere
Vertrauenspersonen sollten ein gutes Vorbild sein und am Besten selber
nicht Rauchen. Auch ist eine frühzeitige Aufklärung über das Rauchen und
dessen möglichen Komplikationen und Folgen sehr wichtig. Auch gibt es
an vielen gemeinnützigen Zentren und Schulen aufklärende und
verhaltendtherapeutische Programme, die ebenso für Ihr Kind
unterstützend seien könnten.
Verwandte Artikel:
- Medikamentensucht - Stimulanzien
- Definition von Sucht und Abhängigkeit
- Was können Eltern, Verwandte und Freunde tun?
- Sucht bei Kindern und Jugendlichen
- Was ist der Unterschied zwischen Abhängigkeit und Sucht?
Letzte Änderung des Artikels: 2011-02-16 01:28
Autor: admin
Revision: 1.3
Kommentieren nicht möglich
>