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Suchtformen
Sucht von flüchtigen Lösungsmitteln
Definition
Die Sucht bzw. die Abhängigkeit von Inhalantien beschreibt das ständige konsumieren von Schnüffelstoffen, wie zum Beispiel Lösungsmitteln. Die Dämpfe dieser Stoffe werden entweder über die Nase eingeatmet ( sniffing ) oder gasartige hochkonzentrierte Stoffe werden über den Mund tief inhaliert ( huffing ). Auch werden häufig dazu gefährliche Hilfsmittel, beispielsweise Plastiksäcke, verwendet, sodass die einzuatmende Konzentration der Stoffe höher wird und es letztendlich zu einem schnelleren Rauschzustand kommt ( bagging ). Hier besteht jedoch eine hohe Erstickungsgefahr!!!
Am häufigsten vertreten ist die Verwendung bzw. Abhängigkeit der Inhalantien bei den Jugendlichen. Mögliche Verwendungsgründe sind:
- Gruppenzwang
- Neugierde
- Als Drogenersatz, Rauschmittel bzw. Halluzinogen entdeckt
- Das unbewusste Kennenlernen des betäubenden Zustands
- Gesetzlich erlaubt ( der missbrauch ist nicht strafbar )
- Günstig
- Überall zu bekommen
- Leicht zu verstecken ( da in jedem Haushalt solche Inhalantien vorhanden sind, fallen sie nicht auf )
- Es ist kein Dealer nötig
- Häufig anwendbar
Die Anwendung kann also immer erfolgen, wenn gerade das Verlangen danach vorhanden ist. Zudem ist der Missbrauch sehr schwer nachzuweisen. Noch ein Nachteil eines Schnüffelstoffmissbrauches ist, dass es zu einer starken Suchtentwicklung kommen kann, auch „heavy user“ genannt.
Inhalantien
Nachfolgend möchten wir Ihnen gerne aufzählen, welche Inhalantien benutzt werden und sich eine Abhängigkeit entwickeln kann:
Klebstoffe
- Haushaltskleber ( z.B. Uhu )
- Modellkleber ( z. B. für Eisenbahn- oder Automodelle )
- Tischtenniskleber
Lösungsmittel
- Nagellackentferner
- Feuerzeugbenzin, Benzin
- Lackverdünner
- Leuchtstifte
- Markierstifte
- Korrekturlacks ( z. B. Tip Ex )
- Vergasreiniger
Spraydosen
- Haarspray
- Deodorantsprays
- Lackspray
- Raumsprays
- Gebäude- und Farbsprays
Gas
- Helium
- Propan
- Erdgas
- Butan ( z. B. Feuerzeuggas )
- Camping - Gas
- Nitro- Oxid
- ISI- Boy Nachfüllgas
Reinigungsmittel
- Fensterputzmittel
- Teppichreiniger
- Fleckenentferner
- Putzmittel
- andere Haushaltschemikalien
Medizinische Präparate
- Narkosegas
- Lachgas
- Ether
- Chloroform
- Desinfektionsmittel
- Hochprozentiger Alkohol ( u.a. auch als Desinfektionsmittel zu benutzen )
Amyl- und Butylnitrit
- Poppers ( Rush, Rave oder Hardware )
- Snappers ( Stimulantien )
- „Bolt“
- „Locker roem“
- „Climax“ ( Video- Kopf- Reiniger )
Wirkung der Inhalantien
Die Inhalantien lösen 3 verschiedene Wirkungen aus:
- Rauschartige Wirkung: Bei der rauschartigen Wirkung tritt das Gefühl der Verlangsamung der Körper- und Gehirnfunktionen, des Wegetreten seins, des Benommen seins und auch der Wahrnehmungsverfremdung ein.
- Halluzinogene Wirkung: Bei der halluzinogenen Wirkung können sowohl optische, taktile ( über die Haut ) als auch akustische Halluzinationen auftreten.
- Narkotische Wirkung: Die narkotische Wirkung bewirkt Bewußtlosigkeitszustände, die bis zum Koma führen können.
Das Ausmaß der Wirkung hängt allerdings von der inhalierten Dosis ab. Die Wirkung reicht dabei von einer mäßigen Stimulation und Hemmungsverlust bis hin zu der Betäubung und Verlust des Bewußtsseins.
Bei der Anwendung der Schnüffelstoffe, vor allem aber bei Propan-, Butan-, Camping- und Feuerzeuggas, kann es zu einem plötzlichen Schnüffeltod kommen. Dabei kann dies sowohl bei der ersten, hundertsten oder erst nach der tausendsten Anwendung geschehen.
Anzeichen für die Abhängigkeit von Inhalantien
Es gibt einige Hinweise, die auf einen Missbauch bzw. eine Abhängigkeit von Schnüffelstoffen hindeuten:
- Allgemeine Abwesenheit → der Betroffene ist in Gesprächen nicht zu erreichen und völlig abwesend
- Dauernde Müdigkeit
- Schulprobleme → der Betroffene schwänzt häufig die Schule, es werde meistens schlechte Schulnoten mit nach Hause gebracht und der Betroffene hat erhebliche Lernschwächen und Verständigungsprobleme
Auch können Auffälligkeiten am bzw. des Betroffenen ebenso einen Hinweis auf eine Abhängigkeit geben:
- Rote Augen
- Mundgeruch ( nach chemischen Mitteln )
- Der Betroffene macht den Eindruck als sei er betrunken
- Unsicherer Gang, torkeln
- Reizbarkeit
- Nervosität
- Unruhezustände
- Übelkeit
- Appetitverlust
- Flecken im Gesicht, vor allem um den Mund herum
- Verstopfte Nase
- Schwindelanfälle
- Herzrasen
- Kollapsneigung
- Klebstoffspuren oder Farbflecken auf der Kleidung
Auch für die chronische Abhängigkeit, auch „heavy User“ genannt, von Inhalantien gibt es einige Anhaltspunkte:
- Der Betroffene ist emotional labil, d.h. es besteht eine Nervosität, Reizbarkeit, depressive Verstimmung bis hin zu einem Selbstmordversuch
- Es kommt zum Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. Dabei klagt der Betroffene über eine Denkschwäche. Es treten Hirnleistungsstörungen, eine Gehirnatrophie ( Schwund des Hirngewebes ) und dementiellen Zuständen auf.
- Der Betroffene entwickelt Schizophreniforme Psychosen
- Zittern der Finger und Augen
- Sehstörungen ( Flimmern bis zur Erblindung )
- Gangunsicherheit ( vor allem ein breitbeiniger Gang )
- Hörprobleme bis hin zur Taubheit
- Geschmacks- und Geruchsverlust
- Verwaschene und stolpernde Sprache
- Verlangsamung der Gehirnströme ( im EEG zu sehen )
Folgeschäden
Bereits bei dem ersten intensiven Inhalieren dieser giftigen Stoffe kann es zu Folgenschäden kommen. Vor allem wird das Gehirn bei solch einer Situation stark beeinträchtigt. Die Schnüffelstoffe lösen die Zellmembranen der Gehirnzellen auf, so dass es als erstes zu Funktionsausfällen kommt. Später sterben die Gehirnzellen ab.
Wir möchten Ihnen gerne aufzählen, welche Folge- bzw. Organschäden das Inhalieren solcher Giftstoffe mit sich bringt:
Gehirn
- Dauerhafte Halluzinationen
- Psychiatrische Erkrankungen
- Empfindungsstörungen
- Vegetativ Störungen
Großhirn
- Gedächtnisverlust
- Psychosen
- Reizbarkeit
- Reduktion der Lernfähigkeiten
- Merkschwierigkeiten und Konzentrationsstörungen
- Veränderung der Persönlichkeit
Kleinhirn
- Gangunsicherheit
- Zittern
- Gleichgewichtsstörungen
- Verwaschene Sprache
- Koordinationsstörungen
- Unkontrollierte Bewegungsabläufe
Gehör (vor allem durch die Inhalation von Toluol)
- Schwerhörigkeit
- Taubheit
Sehnerv (vor allem durch die Inhalation von Toluol)
- Sehverschlechterung
- Erblindung
Atemwege (durch Reizungen der Giftstoffe)
- Schnupfen
- Verätzungen des Mundes und der Nase
- Heisere Stimme
Lungen (mehrmaliges Inhalieren führt zu Lungenveränderungen)
- Atemprobleme
- Bronchitis
- Gestörter Gasaustausch
- Interstitielle Lungenerkrankungen ( in den Zwischenräumen )
Herz
- Plötzlicher Schnüffeltod ( schon bei der ersten Inhalation möglich! )
- Herzrhythmusstörungen
- Vagusreizung
- Sensibilisierung für Katecholamine
- Asystolie ( Stillstand der elektrischen und mechanischen Herzaktion )
- Herzstillstand
Leber (vor allem bei der Inhalation von Halogenierten Lösungsmittel)
- Gelbsucht
- Leberzellschädigung
Nieren (vor allem bei totuolhaltigen Lösungsmittel)
- Nierenschädigungen
- Nierensteine
- Säureausscheidung der Niere beeinträchtigt
Peripheres Nervensystem (vor allem bei der Inhalation von Nitroverbindungen und Hexangas)
- Lähmungen
- Nervenschmerzen
- Kribbeln am Körper
Muskeln
- Reduzierte Muskelkraft
- Muskelschwund
- Reduzierter Muskeltonus
Blut (vor allem bei der Inhalation von Nitroverbindungen)
- Sauerstofftransport im Blut ist blockiert
- Hypoxämien ( Sauerstoffmangel im arteriellen Blut )
- Erstickungszustände
Inhaliert eine schwangere Frau solche giftigen Schnüffelstoffe, überwinden diese die Plazenta und verbreiten sich in dem Kreislauf des Ungeborenen Babys. Dies bedeutet, dass viele Organe, vor allem auch das Gehirn, beschädigt werden und so das Licht der Welt erblicken. Es können folgende Folgeschäden auftreten:
- Körperlich behindertes Kind
- Geistig behindertes Kind
- Fehlgeburten
Verhaltensregeln
Sicher fragen Sie sich, was Sie tun sollen, wenn Sie Ihr Kind oder eine andere Person antreffen, die Schnüffelstoffe inhaliert haben. Wir möchten Ihnen gerne ein paar Erste Hilfe Tipps für solch eine Situation geben:
- bewahren Sie Ruhe – Es hilft keinem, wenn Sie nun selbst in Panik geraten. Versuchen sie ruhig zu bleiben, denn der Betroffene, sowohl bei bewusstlosen als auch bei ansprechbaren Betroffenen kann dies der Fall sein spürt Stresssituationen und Schreckaktionen bei der helfenden Person. Dadurch können Herzrhythmusstörungen oder sogar ein plötzlicher Herztod ausgelöst werden.
- Raum lüften – Bringen Sie frische Luft in den Raum, indem Sie die Fenster und gegebenenfalls auch die Türen öffnen.
- Keine Medikamente geben – Geben Sie dem Betroffenen bloß keine Medikamente, vor allem keine Kreislaufmedikamente, da das Herz in dieser Situation auf adrenalinhaltige Substanzen überempfindlich reagiert
- Prüfen Sie die Körperfunktionen – Kontrollieren Sie die Bewusstseinslage, die Atmung und den Puls des Betroffenen. Hier gibt es 3 Situationen:
- Der Betroffene ist wach - ruhig zureden
- für ausreichende frische Luft sorgen
- kein Streit bzw. Diskussionen mit dem
Betroffenen beginnen ( Aufregung kann zu
Aggressivität, schweren Halluzinationen und
Herzrhythmusstörungen führen )
- Der Betroffene ist bewusstlos - Schocklagerung
- Atemwege freimachen
- Notarzt rufen
- Der Betroffene atmet nicht mehr - Notarzt rufen
- sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen
Tags: Lösungsmittel
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Letzte Änderung des Artikels: 2011-02-16 01:08
Autor: admin
Revision: 1.5
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